Spekta­ku­lärer Auftritt für den Burglöwen

Spektakulär in Szene gesetzt: „der Burglöwe“. Foto: HAUM/Kathrin Ulrich
Spektakulär in Szene gesetzt: „der Burglöwe“. Foto: HAUM/Kathrin Ulrich

Das Herzog Anton Ulrich Museum präsen­tiert die wichtigsten Exponate der Mittel­al­ter­samm­lung aus der Burg Dankwar­derode

Länger als zwei Jahre hat es gedauert, bis die angekün­digte Zwischen­lö­sung für die Präsen­ta­tion der Mittel­al­ter­samm­lung aus der wegen techni­scher Mängel gesperrten Burg Dankwar­derode umgesetzt wurde. Dafür ist dem Herzog Anton Ulrich Museum (HAUM) letztlich eine beein­dru­ckende Interims­aus­stel­lung gelungen, die insbe­son­dere den origi­nalen Burglöwen (um 1166) als monumen­tales Herrschafts­bild der Epoche Heinrichs des Löwen spekta­kulär in Szene setzt. Der Titel der Präsen­ta­tion „Rendez­vous mit dem Löwen“ ist bestens gewählt. Für die Besucher ist ein emotio­nales Treffen mit der großen Vergan­gen­heit Braun­schweigs möglich gemacht worden. Die zukünf­tige Dauer­aus­stel­lung soll in der dann sanierten Burg im Jahr 2031 eröffnet werden.

Blick in die Ausstellung. Foto: HAUM/Kathrin Ulrich
Blick in die Ausstel­lung. Foto: HAUM/Kathrin Ulrich

Umfang­rei­ches Begleit­pro­gramm

Um einem breiten Publikum den Zugang zum großar­tigsten Exponat braun­schwei­gi­scher Geschichte zu ermög­li­chen, ist der Eintritt an jedem letzten Sonntag im Monat von 14 Uhr an kosten­frei. Zur Ausstel­lung, die die bedeu­tendsten Stücke der Mittel­al­ter­samm­lung des Museums zeigt, gibt es ein umfang­rei­ches Begleit­pro­gramm. Den Anfang macht dabei der Famili­entag „Gemeinsam ins Mittel­alter“ am 8. März von 11 bis 18 Uhr. Im Museums­shop ist ein Begleit­heft (160 Seiten) zur Ausstel­lung in deutscher und engli­scher Sprache mit allen wichtigen Infor­ma­tionen erhält­lich.

Die Existenz des origi­nalen Burglöwen verdankt die Stadt dem einstigen Landes­kon­ser­vator Kurt Seeleke (1912 – 2000). Neben anderen wertvollen Kunst­schätzen rettete er den Löwen während des Zweiten Weltkriegs, indem er ihn 1943 unabge­stimmt in einem Bergwerks­stollen im nahege­le­genen Rammels­berg bei Goslar unter­stellte und nicht wie es die NSDAP-Führung wollte nach Schlesien überführte. Das identi­täts­stif­tende Wahrzei­chen Braun­schweigs kehrte so im Oktober 1945 Löwe wohlbe­halten zurück und ist bis heute das Kraft­symbol des Braun­schwei­gi­schen schlechthin. Die Präsen­ta­tion in der Ausstel­lung unter­streicht das eindrucks­voll.

Kaisermantel Ottos IV., Byzanz / England, um 1200. Foto: HAUM/B.P. Keiser
Kaiser­mantel Ottos IV., Byzanz / England, um 1200. Foto: HAUM/B.P. Keiser

In Braun­schweig gegossen

Auf dem Burgplatz ersetzt seit 1980 eine Kopie das nun im HAUM ausge­stellte Original aus dem 12. Jahrhun­dert. Der Bronze­guss des überle­bens­großen Löwen war ehemals vergoldet und gilt als ein Hauptwerk der romani­schen Plastik. Mit hoher Wahrschein­lich­keit ist der Löwe in Braun­schweig gegossen worden. Er gilt als die  erste monumen­tale Freifigur nördlich der Alpen. Eine frühere Kopie war bereits 1943 auf den Sockel vor der Burg gesetzt worden.

Der Burglöwe ist zweifels­frei das beein­dru­ckendste Exponat. Von großer histo­ri­scher Bedeutung sind aber auch das berühmte Runen­käst­chen aus Ganders­heim (8. Jahrhun­dert), das Arm-Reliquiar des heiligen Blasius (um 1040) und der kostbare Kaiser­mantel Ottos IV. (um 1200). Das prächtige Kleidungs­stück ist mit symbo­li­schen Motiven bestickt und zählt zu den bedeu­tendsten Zeugnissen der Epoche. Nach dem letzten Willen von Kaiser Otto IV., dem Sohn Heinrichs des Löwen, blieb es im Braun­schweiger Ägidi­en­kloster erhalten. Den Mantel zieren Löwen aus dem Wappen­bild der engli­schen Königs­fa­milie Planta­genêt, der Familie der Herzogin Mathilde, die Heinrich der Löwe 1168 heiratete.

Arm-Reliquiar des heiligen Blasius, um 1040. Foto: HAUM/Kathrin Ulrich
Arm-Reliquiar des heiligen Blasius, um 1040. Foto: HAUM/Kathrin Ulrich

Zahlreiche Stücke restau­riert

Im Zuge des Sammlungs­trans­fers wurden zahlreiche Stücke auch dank privater Spenden konser­va­to­risch unter­sucht und restau­riert. Dazu zählen die kostbare Krone des heiligen Cyriacus aus dem 15. Jahrhun­dert oder der farben­präch­tige Wandtep­pich der „Königin von Saba“ (14. Jahrhun­dert).

Die Ausstel­lung ist in acht Themen­be­reiche geglie­dert. Darin wird ein facet­ten­rei­ches Bild der Epoche zwischen höfischer Reprä­sen­ta­tion, religiöser Weltdeu­tung und städti­schem Aufbruch gezeichnet. Ebenso werden Aspekte der Entwick­lung Braun­schweigs zur bedeu­tenden Handels­stadt des Spätmit­tel­al­ters beleuchtet.

„Versuchs­an­ord­nung“ für später

„Diese Interim-Ausstel­lung ist aus der harten Notwen­dig­keit eines tempo­rären Umzugs entstanden. Wir nutzen aber die Chance, in einer Art neuer ‚Versuchs­an­ord­nung‘ die zukünf­tige Dauer­aus­stel­lung, die wir 2031 in der sanierten Burg Dankwar­derode eröffnen wollen, hier in ersten Schritten zu entwi­ckeln. Diese Sammlung sucht ihres­glei­chen. Wir wollen dieses enorme Potenzial für ein leben­diges und hoch spannendes Museum mit Blick auf Besuche­rinnen und Besucher jeden Alters nutzen.“ Veran­schlagt waren für die Ausstel­lung Kosten in Höhe von 190.000 Euro für den Umzug (Land) und 200.000 Euro für die Gestal­tung der Interims­aus­stel­lung (Förderer).

Das sogenannte Runenkästchen aus Gandersheim, um 780-800. Foto: HAUM/B. P. Keiser
Das sogenannte Runen­käst­chen aus Ganders­heim, um 780–800. Foto: HAUM/B. P. Keiser

Ergänzt wird die Präsen­ta­tion durch eine parallele Pop-up-Ausstel­lung. Darin werden in loser Folge großfor­ma­tige Repro­duk­tionen der Geschichte der Burg Dankwar­derode und des Burglöwen als zentrale Symbole Braun­schweigs gezeigt. Die erste Version zeigt bis zum 12. April den Wandel der Burg vom mittel­al­ter­li­chen Herrschafts­sitz über ihre Zweck­ent­frem­dung als Kaserne bis hin zur Museums­nut­zung.

Fakten

Herzog Anton Ulrich-Museum

Museumstr. 1

38100 Braun­schweig

Öffnungs­zeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr

Eintritt: Erwach­sene 9 Euro, ermäßigt 7 Euro, Kinder (6–17 Jahre) 2 Euro

Jeden letzten Sonntag im Monat von 14 Uhr an frei

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