Das Herzog Anton Ulrich Museum präsentiert die wichtigsten Exponate der Mittelaltersammlung aus der Burg Dankwarderode
Länger als zwei Jahre hat es gedauert, bis die angekündigte Zwischenlösung für die Präsentation der Mittelaltersammlung aus der wegen technischer Mängel gesperrten Burg Dankwarderode umgesetzt wurde. Dafür ist dem Herzog Anton Ulrich Museum (HAUM) letztlich eine beeindruckende Interimsausstellung gelungen, die insbesondere den originalen Burglöwen (um 1166) als monumentales Herrschaftsbild der Epoche Heinrichs des Löwen spektakulär in Szene setzt. Der Titel der Präsentation „Rendezvous mit dem Löwen“ ist bestens gewählt. Für die Besucher ist ein emotionales Treffen mit der großen Vergangenheit Braunschweigs möglich gemacht worden. Die zukünftige Dauerausstellung soll in der dann sanierten Burg im Jahr 2031 eröffnet werden.

Umfangreiches Begleitprogramm
Um einem breiten Publikum den Zugang zum großartigsten Exponat braunschweigischer Geschichte zu ermöglichen, ist der Eintritt an jedem letzten Sonntag im Monat von 14 Uhr an kostenfrei. Zur Ausstellung, die die bedeutendsten Stücke der Mittelaltersammlung des Museums zeigt, gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Den Anfang macht dabei der Familientag „Gemeinsam ins Mittelalter“ am 8. März von 11 bis 18 Uhr. Im Museumsshop ist ein Begleitheft (160 Seiten) zur Ausstellung in deutscher und englischer Sprache mit allen wichtigen Informationen erhältlich.
Die Existenz des originalen Burglöwen verdankt die Stadt dem einstigen Landeskonservator Kurt Seeleke (1912 – 2000). Neben anderen wertvollen Kunstschätzen rettete er den Löwen während des Zweiten Weltkriegs, indem er ihn 1943 unabgestimmt in einem Bergwerksstollen im nahegelegenen Rammelsberg bei Goslar unterstellte und nicht wie es die NSDAP-Führung wollte nach Schlesien überführte. Das identitätsstiftende Wahrzeichen Braunschweigs kehrte so im Oktober 1945 Löwe wohlbehalten zurück und ist bis heute das Kraftsymbol des Braunschweigischen schlechthin. Die Präsentation in der Ausstellung unterstreicht das eindrucksvoll.

In Braunschweig gegossen
Auf dem Burgplatz ersetzt seit 1980 eine Kopie das nun im HAUM ausgestellte Original aus dem 12. Jahrhundert. Der Bronzeguss des überlebensgroßen Löwen war ehemals vergoldet und gilt als ein Hauptwerk der romanischen Plastik. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Löwe in Braunschweig gegossen worden. Er gilt als die erste monumentale Freifigur nördlich der Alpen. Eine frühere Kopie war bereits 1943 auf den Sockel vor der Burg gesetzt worden.
Der Burglöwe ist zweifelsfrei das beeindruckendste Exponat. Von großer historischer Bedeutung sind aber auch das berühmte Runenkästchen aus Gandersheim (8. Jahrhundert), das Arm-Reliquiar des heiligen Blasius (um 1040) und der kostbare Kaisermantel Ottos IV. (um 1200). Das prächtige Kleidungsstück ist mit symbolischen Motiven bestickt und zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Epoche. Nach dem letzten Willen von Kaiser Otto IV., dem Sohn Heinrichs des Löwen, blieb es im Braunschweiger Ägidienkloster erhalten. Den Mantel zieren Löwen aus dem Wappenbild der englischen Königsfamilie Plantagenêt, der Familie der Herzogin Mathilde, die Heinrich der Löwe 1168 heiratete.

Zahlreiche Stücke restauriert
Im Zuge des Sammlungstransfers wurden zahlreiche Stücke auch dank privater Spenden konservatorisch untersucht und restauriert. Dazu zählen die kostbare Krone des heiligen Cyriacus aus dem 15. Jahrhundert oder der farbenprächtige Wandteppich der „Königin von Saba“ (14. Jahrhundert).
Die Ausstellung ist in acht Themenbereiche gegliedert. Darin wird ein facettenreiches Bild der Epoche zwischen höfischer Repräsentation, religiöser Weltdeutung und städtischem Aufbruch gezeichnet. Ebenso werden Aspekte der Entwicklung Braunschweigs zur bedeutenden Handelsstadt des Spätmittelalters beleuchtet.
„Versuchsanordnung“ für später
„Diese Interim-Ausstellung ist aus der harten Notwendigkeit eines temporären Umzugs entstanden. Wir nutzen aber die Chance, in einer Art neuer ‚Versuchsanordnung‘ die zukünftige Dauerausstellung, die wir 2031 in der sanierten Burg Dankwarderode eröffnen wollen, hier in ersten Schritten zu entwickeln. Diese Sammlung sucht ihresgleichen. Wir wollen dieses enorme Potenzial für ein lebendiges und hoch spannendes Museum mit Blick auf Besucherinnen und Besucher jeden Alters nutzen.“ Veranschlagt waren für die Ausstellung Kosten in Höhe von 190.000 Euro für den Umzug (Land) und 200.000 Euro für die Gestaltung der Interimsausstellung (Förderer).

Ergänzt wird die Präsentation durch eine parallele Pop-up-Ausstellung. Darin werden in loser Folge großformatige Reproduktionen der Geschichte der Burg Dankwarderode und des Burglöwen als zentrale Symbole Braunschweigs gezeigt. Die erste Version zeigt bis zum 12. April den Wandel der Burg vom mittelalterlichen Herrschaftssitz über ihre Zweckentfremdung als Kaserne bis hin zur Museumsnutzung.
Fakten
Herzog Anton Ulrich-Museum
Museumstr. 1
38100 Braunschweig
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
Eintritt: Erwachsene 9 Euro, ermäßigt 7 Euro, Kinder (6–17 Jahre) 2 Euro
Jeden letzten Sonntag im Monat von 14 Uhr an frei






