Leinen los!

Die 7.2 der Haupt- und Grundschule Pestalozzistraße paddelte mit selbstgebauten Flößen über den Heidbergsee. Foto: Markus Gröchtemeier
Die 7.2 der Haupt- und Grundschule Pestalozzistraße paddelte mit selbstgebauten Flößen über den Heidbergsee. Foto: Markus Gröchtemeier

Im Rahmen eines Sozial­trai­nings bauten 16 Siebt­klässler der Haupt­schule Pesta­loz­zi­straße am Heidbergsee Flöße.

Kniffe­lige Passagen im Hochseil­garten. Schwie­rige Kletter­touren mit Halte­seilen am Berg. Rafting im Wildwasser. Teambuil­ding-Maßnahmen sind bei Profi­sport­lern keine Selten­heit. Eine nicht weniger spekta­ku­läre Prüfung hatte eine siebte Klasse der Haupt­schule Pesta­loz­zi­straße in Braun­schweig zu bewäl­tigen. Anläss­lich eines an der Schule durch­ge­führten Sozial­trai­nings bauten die Jugend­li­chen am Heidbergsee Flöße. Zur Verfügung standen lediglich rustikale LKW-Schläuche, simple Holzlatten und ein paar Stricke. Am Ende des Tages­werkes gab es gemein­schaft­lich einen riesigen Erfolg zu feiern: Die Flöße hielten. Auch mit jeweils acht Personen an Bord lenkten die Schüler der 7.2 die selbst­ge­bauten Boote quer über den Heidbergsee.

Die Floßbau­ak­tion ist Teil eines mittler­weile deutsch­land­weit vielbe­ach­teten Pilot­pro­jektes. Dank der Hilfe der Richard Borek Stiftung nehmen mit der Grund- und Haupt­schule Pesta­loz­zi­straße und der Haupt­schule Sophien­straße zwei von drei Braun­schweiger Haupt­schulen mit ihren fünften bis siebten Jahrgangs­stufen am erleb­nis­ori­en­tierten Sozial­trai­ning teil. Dieses ist zudem im normalen Schul-Curri­culum fest verankert. Entwi­ckelt hat es der 35 Jahre alte Erleb­nis­päd­agoge Nils Borkowski, Mitar­beiter des AWO-Förder­zen­trums Lotte Lemke. Ziel des Pilot­pro­jektes ist es, die sozialen Kompe­tenzen, das Selbst­be­wusst­sein und die Konflikt­fä­hig­keiten der jungen Schüler zu stärken.

„Manche Schüler fördern beim Sozial­trai­ning indivi­du­elle Fähig­keiten und Fertig­keiten zu Tage, die sie im Unter­richt so nicht zeigen können. Auch der reguläre tradi­tio­nelle Unter­richt profi­tiert spürbar davon“, freut sich Angelika Beinroth, Rektorin der Grund- und Haupt­schule Pesta­loz­zi­straße, über die Erfolge des Pilot­pro­jekts und betont: „Der Umgang mitein­ander und die Rücksicht­nahme haben sich auf unserer Schule in den einzelnen Unter­richts­fä­chern stark verbes­sert.“ Den Schülern müssten vor allem Sozial­kom­pe­tenzen vermit­telt werden. Dies funktio­niere am besten außer­schu­lisch, fährt die Rektorin fort. „Das Lehren von Sozial­kom­pe­tenz ist in unseren Leitsätzen festge­schrieben und enorm wichtig für die Berufs­ori­en­tie­rung.“

„Das Floßbauen stellt alle Haupt­schüler vor große Heraus­for­de­rungen und erzeugt mitunter Stress und Druck. Und manchmal auch Streit“, berichtet Nils Borkowski, Stell­ver­tre­tender Leiter im Bereich Jugend und Erzie­hungs­hilfen der AWO. „Doch auf diese Weise lernt man, mit Konflikten friedlich mitein­ander umzugehen, aber natürlich auch Lösungen für den Bau des Floßes zu finden und damit kreativ zu werden. Jeder muss seine Rolle finden.“

Und was sagen die Schüler? „Die Teamar­beit hat echt gut funktio­niert, alle haben gut mit angepackt. Und wir haben uns nicht einmal angeme­ckert“, erklärt Can Aylanc mit einem Augen­zwin­kern. Er betont: „Ich würde so etwas auf jeden Fall immer wieder machen.“ Der 14-Jährige macht sich schnur­stracks auf den Weg, um kurz vor Schul­schluss beim Ausein­an­der­bauen der Flöße zu helfen. Auch dies gehört dazu.

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