Lebendige Wolfen­büt­teler Musik­ge­schichte

Anthony Bailes wird Musik von Gregorius Huwet zu Gehör bringen, der einige Zeit am Wolfenbütteler Hof lebte. Foto: Festival
Anthony Bailes wird Musik von Gregorius Huwet zu Gehör bringen, der einige Zeit am Wolfenbütteler Hof lebte. Foto: Festival

Vom 4. bis 6. Mai findet zum ersten Mal das Inter­na­tio­nale Festival der Laute in Wolfen­büttel statt. Drei Tage lang wird sich alles um das histo­ri­sche Instru­ment und seine Musik drehen.

Jedes Jahr lädt die Deutsche Lauten­ge­sell­schaft zum Inter­na­tio­nalen Festival der Laute ein – dieses Jahr zum ersten Mal nach Wolfen­büttel., die die Veran­stal­tung organi­siert, hat ein buntes Programm mit Konzerten, Vorträgen, Inter­pre­ta­ti­ons­kursen und einer Verkaufs­aus­stel­lung zusam­men­ge­stellt.

„Füssen war zwar das Zentrum des Lauten­baus, aber auch Wolfen­büttel hat mit seiner Hofka­pelle und den bekannten Kompo­nisten eine besondere Beziehung zu dem Instru­ment“, weiß Wirth, die ihre Disser­ta­tion über die Laute­nisten am Wolfen­büt­teler Hofes geschrieben hat. So wird im Landes­ar­chiv u.a. die sogenannte Wolfen­büt­teler Tabulatur aufbe­wahrt, die älteste Tabula­tur­no­ta­tion aus dem 15. Jahrhun­dert. Ein Glücks­fall, dass die Blätter als Buchein­band überlebt haben.

So war nicht viel Überzeu­gungs­ar­beit nötig, um Unter­stützer und Förderer für das Festival zu gewinnen. „Alle waren begeis­tert von dem Projekt und überzeugt von der Bedeutung Wolfen­büt­tels für die Renais­sance- und Barock­musik“, freut sich Wirth. So fördern die Braun­schwei­gi­sche Stiftung, die Braun­schwei­gi­sche Sparkas­sen­stif­tung, die Stiftung Musik­kultur Braun­schweig, das Michael Praeto­rius Collegium, die Stadt Wolfen­büttel und der Rotary-Club Salzgitter das Festival. Die Herzog August Biblio­thek, die Kirchen­ge­meinde St. Johannis und das Museum im Schloss Wolfen­büttel stellen ihre einzig­ar­tigen Räumlich­keiten für die Veran­stal­tungen zur Verfügung.

Auch die Kultur­in­itia­tive TonArt e.V. ist als Koope­ra­ti­ons­partner dabei, im Prinzen­pa­lais finden zwei Inter­pre­ta­ti­ons­kurse statt. „Jeder kann mitmachen, ob blutiger Anfänger oder fortge­schrit­tener Musiker“, verspricht Wirth. Wer darüber hinaus Interesse am eigenen Musizieren hat, finden auf der Verkaufs­aus­stel­lung im Schloss Wolfen­büttel sieben Instru­men­ten­bauer und zwei Musik­ver­lage mit ihren Büchern, Noten und Tonträ­gern. „Die Lauten­ge­sell­schaft bietet auch Leihin­stru­mente für Neugie­rige und vermit­telt Kontakt­adressen von Lehrern“, erzählt Wirth, die sich auch im Vorstand der Gesell­schaft engagiert.

„Das Lauten­fes­tival passt hervor­ra­gend zu unserer Veran­stal­tungs­reihe „Vergan­gene Klänge zum Leben erwecken“, bei der wir Musik auf histo­ri­schen Instru­menten zu Gehör bringen“, ergänzt Ulrich Thiele, der Vorsit­zende des Vereins TonArt, der seit vielen Jahren beson­deren Wert auf origi­nal­ge­treue Auffüh­rungs­praxis und profes­sio­nelle Künstler legt. Auch ein Konzert für Kinder und Familien findet im histo­ri­schen Festsaal des Prinzen­pa­lais statt: Jörg Hilbert, Erfinder und Autor der Figur des Ritter Rost, wird die Geschichten nicht nur vorlesen, sondern gemeinsam mit Dominik Schneider und Fabian Strotmann mit Musik begleiten.

Einer der bekann­testen Kompo­nisten für Lauten­musik ist John Dowland, der auch einige Zeit in Wolfen­büttel verbrachte. Er wird bei dem Konzert des Braun­schweiger Ensembles Recercada im Mittel­punkt stehen. Simon und Mia Mirén Paulus kombi­nieren dabei Laute und Gesang mit dem Bandoneon von Christian Horn. „Das unter­streicht den oft melan­cho­li­schen Charakter der Musik Dowlands“, freut sich Wirth auf das ungewöhn­liche Hörerlebnis.

Dass Musik für Laute nicht immer alt sein muss, beweist Brian Wright, der bei seinem Konzert nicht nur histo­ri­sche Werke aufführen wird, sondern der auch einer der emsigsten Kompo­nisten für zeitge­nös­si­sche Lauten­musik ist.

Besonders gespannt ist Wirth auch auf das Konzert von Peter Croton und Nehad El-Sayed. Der Vorsit­zende der Lauten­ge­sell­schaft wird die Renais­sance­laute spielen, sein ägypti­scher Freund die arabische Oud – eine außer­ge­wöhn­liche Kombi­na­tion und eigens für dieses Konzert zusam­men­ge­stellt. „Die Laute kommt ursprüng­lich aus dem arabi­schen Raum“, erläutert Wirth den Hinter­grund. „Aber beide Instru­mente haben eine ganz andere Stimmung, einen anderen Klangraum. East meets West sozusagen.“

Den Bogen zu Wolfen­büttel schlägt Marc Lewon, der die Wolfen­büt­teler Tabulatur entschlüs­selt und rekon­stru­iert hat und Stücke daraus aufführen wird. „Ein Anliegen der Lauten­ge­sell­schaft ist es, Alte Musik wieder hörbar zu machen. Warum sollte Wolfen­büttel nicht zu einem Zentrum werden?“ Wirth ist sich sicher, dass die Stadt mit ihrer wechsel­vollen Geschichte und histo­ri­schen Archi­tektur genug histo­ri­sche Anknüp­fungs­punkte bietet.

Das Programm:

Inter­na­tio­nales Festival der Laute – 4. bis 6. Mai 2018 in Wolfen­büttel

 

Freitag, 4. Mai

Herzog August Biblio­thek, Augus­teer­halle

16 Uhr: Begrüßung und Eröffnung des Festivals

16.15 Uhr: Vortrag Sven Limbeck: Die (Lauten-) Musik­be­stände der Herzog August Biblio­thek

17 Uhr: Eröff­nungs­kon­zert John Martling (Theorbe): Musik des 17. Jahrhun­derts

Kirche St. Johannis

20 Uhr: Konzert Anthony Bailes (Laute): Lauten­musik am Wolfen­büt­teler Hof um 16 Uhr: Gregorius Huwet, und sein Umfeld

21 Uhr: Konzert: Joachim Held (Barock­laute): Musik von Silvius Leopold Weiss

 

Samstag, 5. Mai

Schloss Wolfen­büttel, unteres Foyer

10 –18 Uhr: Verkaufs­aus­stel­lung Instru­men­ten­bauer und Verleger zeigen Instru­mente, Saiten, Noten, Tonträger und Bücher

Kirche St. Johannis, Gemein­de­saal

8.30 Uhr: Deutsche Lauten­ge­sell­schaft e.V., Vorstands­sit­zung

10 Uhr: Deutsche Lauten­ge­sell­schaft e.V., Mitglie­der­ver­samm­lung

11.45 Uhr: Diskus­si­ons­runde für Mitglieder der Dt. Lauten­ge­sell­schaft (Modera­tion Peter Croton, Vorsit­zender): Wie können wir die Zukunft der Lauten­ge­sell­schaft aktiv gestalten?

Prinzen­pa­lais

9 Uhr: Inter­pre­ta­ti­ons­kurs 1: Joachim Held (Laute)

14 Uhr: Inter­pre­ta­ti­ons­kurs 2: Yvonne & Frank Adelmann (Gesang) Vokal­musik John Dowlands

16.4 Uhr: Kinder- und Famili­en­ver­an­stal­tung: Jörg Hilbert, Dominik Schneider & Fabian Strotmann (Quinterne, Laute, Flöte): Ritter Rost, musika­lisch beglei­tete Lesung

Schloss Wolfen­büttel, Renais­sance­saal

14 Uhr: Vortrag: Sigrid Wirth: Von Laute, Cister und Pandor: Laute­nisten und Saiten­in­stru­mente am Wolfen­büt­teler Herzogshof im 16. und 17. Jahrhun­dert

15 Uhr: Vortrags­kon­zert Brian Wright (Laute) & Jeni Melia (Sopran): „O Mistress mine”: Songs from the plays of Shake­speare and own settings (in engli­scher Sprache)

16.15 Uhr: Vortrag Christian Ahrens: Lauten und Pandoren am Weimarer Hof im 18. Jahrhun­dert

17.15 Uhr: Führung durch die barocken Wolfen­büt­teler Schloss­räume durch den herzog­li­chen Tanz-meister Monsieur De la Marche (nur für Vereins­mit­glieder und nach Voranmel­dung)

Kirche St. Johannis

20 Uhr: Konzert Ensemble Recercada, Simon Paulus (Laute, Kontra­bass, Leitung), Mia Mirén Paulus (Sopran) & Christian Horn (Violone, Bandoneon): Winter­reise 1594, Kompo­si­tionen von John Dowland, Gregorius Huwet und Michael Praeto­rius

21 Uhr: Konzert Peter Croton (Renais­sance­laute) & Nehad El-Sayed (arabische Oud): Duo-Programm für Laute und arabische Oud, Musik für Laute und Oud sowie Impro­vi­sa­tionen

 

Sonntag, 6. Mai

Prinzen­pa­lais

9 Uhr: Inter­pre­ta­ti­ons­kurse 1 und 2, Fortset­zung

Schloss Wolfen­büttel, Foyer unten

9 –14 Uhr: Verkaufs­aus­stel­lung Fortset­zung

Schloss Wolfen­büttel, Renais­sance­saal

9 Uhr: Vortrag: Dieter Kirsch: Die Kammer­musik mit Mandora im Stift Krems­münster

10 Uhr: Vortrag Nehad El-Sayed: Geschichte und Spiel­technik der arabi­schen Laute Oud

11 Uhr: Vortrag Marc Lewon: Die sogenannte Wolfen­büt­teler Lauten­ta­bu­latur (WolfT)

Schloss Wolfen­büttel, Renais­sance­saal

12 Uhr: Konzert der Teilnehmer der Inter­pre­ta­ti­ons­kurse 1 und 2

13 Uhr: Abschluss­kon­zert Marc Lewon & Paul Kieffer (Mittel­al­ter­lauten): Lauten­musik des Mittel­al­ters, u.a. Musik­stücke der Wolfen­büt­teler Tabulatur

 

Eintritt zu Konzerten und Vorträgen frei, um einen freiwil­ligen Unkos­ten­bei­trag wird gebeten

Keine Platz­re­ser­vie­rungen

 

Mehr unter www.lautenfestival.de.

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