Deutsch­lands größtes Schau­fenster für Denkmal­pflege

Historische Ansicht vom Haus Ackerhof 2. Foto: Gebautes Erbe

Umfang­rei­ches Programm im Braun­schwei­gi­schen: Vom Ackerhof in Braun­schweig bis zum Juleum in Helmstedt.

Der Tag des offenen Denkmals feiert sein 30-jähriges Bestehen. Am Sonntag, 10. September, werden bundes­weit mehr als 5.500 Denkmale ihre Pforten öffnen, viele davon auch auf dem Gebiet des ehema­ligen Landes Braun­schweig. Eine Auswahl stellen wir im Folgenden vor, es gibt aber eine ganze Menge mehr, die alle unter der Inter­net­seite https://www.tag-des-offenen-denkmals.de zu finden sind.

Was mit einigen Einze­l­e­vents begann, ist inzwi­schen zur größten Kultur­ver­an­stal­tung Deutsch­lands heran­ge­wachsen. Den einheit­li­chen Auftritt als Marke nutzen Veran­stalter in ganz Deutsch­land, um gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmal­schutz Deutsch­lands größtes Schau­fenster für Denkmal­pflege mit Leben zu füllen.

1998 fand der erste zentrale Auftakt in Quedlin­burg statt. Der damalige Bundes­prä­si­dent Roman Herzog besuchte die Veran­stal­tung. Die Idee der bundes­weiten Eröffnung, die in jedem Jahr in einer anderen Stadt ausge­tragen wird, war angestoßen und ist bis heute erhalten. In diesem Jahr findet die Auftakt­ver­an­stal­tung in Münster statt.

Auszüge aus dem Programm

Braun­schweig

Burg Schla­raffia Brunviga: 1912 erwarb die Schla­raffia Brunsviga aus der Konkurs­masse der Erzgie­ßerei Howaldt Haus und Grund­stück. Nach einigen Umbauten wurde das Haus als Vereins­heim genutzt. Im Krieg zerbombt, danach wieder aufgebaut und bis dato von der Verei­ni­gung der Schla­raffia Brunsviga genutzt. Hochstraße 21. 11–16 Uhr.

Burg Schla­raffia Brunviga, Braun­schweig. Foto: Deutsche Stiftung Denkmal­schutz

Fachwerk­ensemble Ackerhof: Das Fachwerk­ensemble Ackerhof 2 /Langedammstraße 11/Ölschlägern 9/10 dokumen­tiert mit fünf Gebäuden 500 Jahre Fachwerk­bau­kunst in Braun­schweig und dies im Magni­viertel, einer der Tradi­ti­ons­in­seln der Stadt. Das Haupt­ge­bäude zum Ackerhof trägt die Inschrift „MCCCCXXXII“ (1432) und ist damit das älteste inschrift­lich datierte Fachwerk­haus Deutsch­lands. Das Ensemble wird derzeit sehr aufwändig saniert.  Ackerhof 2. Führungen ausge­bucht.

Gedenk­stätte KZ-Außen­lager Schill­straße: Die Gedenk­stätte Schill­straße erinnert an ein Außen­lager des KZ Neuen­gamme und dokumen­tiert die Geschichte Braun­schweigs im Natio­nal­so­zia­lismus. Mit dem im Jahr 1837 errich­teten Schill­denkmal und dem zugehö­rigen Invali­den­haus, in dem heute das sog. Offene Archiv der Gedenk­stätte unter­ge­bracht ist, einer Gedenk­mauer, einem Treppen­po­dest, einer archäo­lo­gi­schen Fundstelle sowie einer rabbi­ni­schen Weisheit als Leucht­schrift finden Besucher*innen vor Ort verschie­dene Erinne­rungs­ob­jekte und Denkmäler. Schill­straße 25. 11 ‑16 Uhr.

Wolfen­büttel

Brink-Haus: Das Haus wurde 1597 in exponierter Lage errichtet. Im Laufe der Zeit wurde es durch zuneh­mende Bebauung der Umgebung immer stärker einge­bunden und erhielt selbst seit dem späten 19. Jahrhun­derts im Hof umfang­reiche Hinter­ge­bäude, die bis heute Bestand haben. Das Gebäude wurde im Laufe der Zeit den Bedürf­nissen seiner Nutzer durch unter­schied­lich starke Eingriffe in die Bausub­stanz angepasst. Seit dem frühen 19. Jh. war es dann im Besitz der Familie des Stifters. Stadt­markt 11. 10 – 16.30 Uhr.

Ehem. Hofbe­am­ten­haus: Das Barock­pa­lais, das zu seiner Bauzeit ab 1736 zu den vornehmsten und aufwän­digsten Profan­bauten in der „Alten Heinrich­stadt“ von Wolfen­büttel zählt, prägt neben dem gegen­über­lie­genden Rathaus bis heute das histo­ri­sche Erschei­nungs­bild des Stadt­marktes im Zentrum Wolfen­büt­tels. Stadt­markt 15.

Gärtner­mu­seum Wolfen­büttel: Der Streckhof Neuer Weg 33 befindet sich vor den Toren der alten Residenz­stadt Wolfen­büttel. Streck­höfe sind typische, eher kleine Anwesen der Erwerbs­gärtner auf schmalen Flurstü­cken. Die Anein­an­der­rei­hung von Wohn‑, Wirtschafts- und Stall­ge­bäude unter einem gemein­samen Dach, bedingt durch eine entspre­chend lang gestreckte Parzel­len­struktur, charak­te­ri­siert diesen Gebäu­detyp. Der o.g. Streckhof ist seit Anfang des 19. Jahrhun­derts nachge­wiesen. Neuer Weg 33. 11 – 16 Uhr.

Kultur­haus Prinzen­pa­lais: Das Haupthaus wurde 1603 kurz vor der Haupt­kirche errichtet. 1733 zog Prinz Carl mit seiner Frau Philip­pine Charlotte in einen neu errich­teten Anbau ein, das Prinzen­pa­lais. 1886 wurde der Saal für die Hochzeit von Emilie Fink mit dem Atomphy­siker Julius Elster ausgemalt. Das ist der aktuelle Renovie­rungs­stand. Der Verein TonArt e.V. veran­staltet dort seit 1999 Konzerte und ist seit 2019 Eigen­tümer. Reichs­straße 1. 10 – 18.30 Uhr.

Lessing­haus in Wolfen­büttel. Foto: Deutsche Stiftung Denkmal­schutz

Lessing­haus: Das im Stil eines spätba­ro­cken franzö­si­schen Parkschlöss­chens erbaute Hofbe­am­ten­haus diente Lessing ab 1777 bis zu seinem Tode 1781 als Wohnhaus, in dem er lebte und arbeitete. Seit 1968 gehört das Lessing­haus zur Herzog August Biblio­thek Wolfen­büttel. 1978 wurde es als Museum eröffnet, seit April 2004 ist in den ehema­ligen Wohnräumen eine Dauer­aus­stel­lung zu sehen, die mit dem Blick moderner Museums­di­daktik ein vielschich­tiges Porträt von Lessing zeigt. Lessing­platz 2.

Helmstedt

Ehem. Rathaus der Neumark: Das ehemalige Neumark-Rathaus, der sogenannten Löwen­bleek, wurde 1748 durch Herzog Carl I. errichtet. An dieser Stelle war wohl ursprüng­lich die herzog­liche Gerichts­stätte der Neumark. Das Haus wurde später Gasthaus mit Rathaus­funk­tion. Über der Eingangstür ist der sog. Löwen­bleek angebracht, eine Sandstein­platte mit Inschrift und herzog­li­chem Löwen. Braun­schweiger Straße 32. 13.30 – 18 Uhr.

Juleum: Haupt­ge­bäude im Renais­sance­stil von 1592, Gebäude der ehema­ligen prot. Univer­sität Helmstedt, gegründet 1576 von Herzog Julius von Braun­schweig-Lüneburg. Heute Kreis- und Univer­si­täts­mu­seum und ehemalige Univer­si­täts­bi­blio­thek. Colle­gi­en­platz 1. 14 – 17 Uhr.

Sanierter Giebel des Juleums. Foto Landkreis Helmstedt

Kirche und Kloster St. Ludgeri: Gründungs­datum und Gründer des im Osten der Stadt gelegene Benedik­tiner Kloster und Kirche die für Helmstedts Entste­hung von so großer Bedeutung waren, stehen bis heute nicht eindeutig fest. Doch scheint erwiesen, dass es sich im ersten Drittel des 9. Jahrhun­derts aus einer Missi­ons­sta­tion entwi­ckelt hat, die um 800 bei dem schon länger bestehenden Dorf Helmons­tedi einge­richtet war. Am Ludge­rihof 11. 14 – 17 Uhr.

Kloster und Kirche St. Marien­berg. Das Augus­ti­ne­rinnen-Kloster wurde 1176 durch den Abt von St. Ludgeri gegründet. Seit 1263 war es auch Pfarr­kirche für die vorher entstan­dene Neumark. Im 19. Jahrhun­dert erlebte es noch eine späte Blüte unter der Domina von Veltheim, die nicht nur die Gebäude erneuern ließ, sondern auch zwei Schulen, ein Kranken­haus und die noch bestehende Paramen­ten­werk­statt gründete. Kloster­straße 11. 14 – 17 Uhr.

St. Walpurgis (Schus­ter­kirche). Die Kirche wird um 1160 zum ersten Mal genannt. Ob sie ursprüng­lich zum Dorf Streplin­ge­rode gehörte, ist nicht geklärt. Das Patronat hatte zunächst das St.-Ludgeri-Kloster, seit dem Spätmit­tel­alter die Schus­ter­gilde. Die Ausstat­tung stammt größten­teils aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhun­derts, datiert sind Altar (1679), Taufständer (1695) und die Brüstung der früheren Querschiff-Emporen (1679 und 1684). Außerdem befinden sich noch zwei spätgo­ti­sche Schnitz­al­täre in der Kirche. Walpur­gis­straße 14 – 17 Uhr.

Stadt­be­fes­ti­gung Helmstedt: Nach 1200 entstan­dene Stadt­be­fes­ti­gung der Stadt Helmstedt : Mauer/Wall und Landwehr; Eine Reaktion der Bürger nach der Zerstö­rung Helmstedts, Sylvester 1199. An festen Punkten in der Stadt werden entspre­chende Erklä­rungen durch die Gäste­füh­rung des Stadt Helmstedt, zu den o.g. Zeiten, abgegeben: Langer Steinweg Nr. 2; Langer Steinweg 17 + 19; Langer Wall 2; Kleiner Wall 18; Neumär­ker­straße 23. Altstadt. 14 – 17 Uhr.

Stadt­kirche St. Stephani: Der heutige Bau – eine dreischif­fige gotische Halle – wurde Ende des 13./Anfang 14. Jahrhun­derts erbaut und Anfang des 15. Jahrhun­derts erneuert. Im Zuge der umfas­senden Renovie­rung 1903/06 wurde die Kirche neu ausgemalt und die Seiten­em­poren wurden ersetzt. Die übrige Ausstat­tung stammt vom Ende des 16. Jahrhun­derts und weist neben der reich dekorierten 1596 gestif­teten Kanzel und der Taufe von 1590 bemer­kens­werte, zum Teil sehr üppige Epita­phien von Profes­soren der Helmstedter Univer­sität auf. Großer Kirchhof. 14–17 Uhr.

Braun­schweiger Land

Fundstelle Schöninger Speere: Das Forschungs­mu­seum Schöningen verbindet auf einzig­ar­tige Weise das spannende Erlebnis Altstein­zeit mit archäo­lo­gi­scher Spitzen­for­schung in einem innova­tiven Ausstel­lungs­kon­zept. Die Besuche­rinnen und Besucher können die Schöninger Speere in unmit­tel­barer Nähe zum Fundort bestaunen, dort, wo sie vor circa 300.000 Jahren zurück­ge­lassen und 1994 gefunden wurden – und wo noch heute Grabungen statt­finden. Schöningen, Paläon 1. 10–17 Uhr.

Holländer Windmühle Wendhausen. Wahrschein­lich einzige funkti­ons­fä­hige fünfflü­ge­lige Holländer-Windmühle auf dem europäi­schen Kontinent. 1837 erbaut. Sie besitzt voll funkti­ons­fä­hige, drehende Flügel und wurde 2014/15 saniert. 2021 wurde das Oberlager in der Kappe erneuert und ein Lasten­aufzug nach histo­ri­schem Vorbild eingebaut. Haupt­straße 3. 10–17 Uhr.

Barock­pa­lais Blanken­burg. Baujahr 1783 mit Rokoko-Elementen, Erbauer wahrschein­lich Johann Tobias Röbber (Kaufmann in Blanken­burg). Innenhof mit sog. Gesin­de­haus aus selbigem Baujahr. Originale Treppe, zwei verzierte Kamin-Konchen und alle Türen erhalten. Im ersten Oberge­schoss zwei originale Stuck­de­cken erhalten. Eingangstür (einge­la­gert), Hinter­hoftor und eiserne sogenannte Fetzentür aus dem Baujahr ebenfalls erhalten. Markt 4. 9 – 17 Uhr.

Scheepers’ Haus Königs­lutter: Die barocke Hofanlage befindet sich in unmit­tel­barer Nähe zum Kaiserdom Königs­lutter. Das Wohnhaus (massives EG, Fachwerk im OG) wurde im frühen 18.Jh errichtet. Um 1900 wurden die straßen­sei­tigen Fassaden verputzt und mit zeitge­nös­si­schem Dekor versehen. Zeitgleich entstand ein Laden, dessen originale Ausstat­tung (gestal­tete Kacheln & Holzkas­set­ten­decke) unver­än­dert erhalten ist. Um das Scheepers’ Haus für die Zukunft zu sichern, übernahm es die Deutsche Stiftung Denkmal­schutz in ihr Eigentum. Königs­lutter, Schöp­pen­stedter Straße 24. 11 – 17 Uhr.

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