Durch­hal­te­wille der Fürsten­berger Porzel­liner

Milchkanne mit misslungenem Purpurfond und bunter Blumenmalerei, um 1755 Dekor: wohl Georg Friedrich Geisler (1714-1782). Höhe: 13,5 cm, Leihgabe: Max-Michael Viol. Foto: Museum

Weißes Gold aus Fürsten­berg, Folge 3: Milch­kanne mit misslun­genem Purpur­fond und bunter Blumen­ma­lerei, um 1755.

Die Milch­kanne sieht mit ihrem birnen­för­migen Korpus, der Schnaupe und dem flachen Aufsatz­de­ckel aus wie eine verklei­nerte Kaffee­kanne. Das Besondere aber ist ihr Dekor: Die Kanne ist, unter Ausspa­rung des Henkels und des Reliefs an der Schnaupe, mit einem fleckigen Fond in einem grausti­chigen Violett dekoriert. Auf dem Bauch und dem Deckel sind gelb umrahmte Reserven ausge­spart, die mit polychromen Blumen­bou­quets bemalt sind.

Auffällig ist der farbige Fond durch seine unregel­mä­ßige, fleckige Struktur. Es ist anzunehmen, dass die Herstel­lung eines purpur­far­benen Fonds beabsich­tigt war – eine Mode, die von der damals führenden Porzel­lan­ma­nu­faktur in Meißen einge­führt worden war. Doch die Farbe misslang im Dekorb­rand: Statt eine gleich­mä­ßige Farbschicht zu ergeben, zog sie sich zu kleinen Flecken zusammen. Und auch der Farbton ist weit von dem gewünschten leuch­tenden Purpur entfernt, wie ihn das Publikum des 18. Jahrhun­derts liebte.

Streben nach höher­wer­tigen Produkten

Nachdem die Porzel­lan­pro­duk­tion in Fürsten­berg ab der zweiten Jahres­hälfte 1753 nach sechs Jahren des Experi­men­tie­rens endlich angelaufen war, bestand die nächste Heraus­for­de­rung in der Entwick­lung geeig­neter Farben zur Bemalung der Waren. Wenngleich Weißware – oft fehler­hafter Ausschuss – einen nicht unerheb­li­chen Anteil an dem tatsäch­lich gebrauchten Porzellan im 18. Jahrhun­dert hatte, trach­teten alle Manufak­turen danach, durch die Bemalung höher­wer­tige Produkte anzubieten.

In Fürsten­berg behalf man sich zunächst mit einge­führten Farben, etwa von dem Apotheker Jucht aus Bayreuth. Diese hatte der dort zuvor als Hausmaler tätige Johann Friedrich Metzsch mitge­bracht, als er 1751 nach Fürsten­berg kam. Auch der Blumen­maler Georg Friedrich Geisler hat mögli­cher­weise Farben mit sich geführt, als er 1753 von Höchst nach Fürsten­berg wechselte.

Die Milch­kanne demons­triert damit eindrück­lich und geradezu rührend, wie sehr sich die Manufak­tu­risten anstrengen mussten, um quali­tät­volle Porzel­lane herzu­stellen. Wie oft sie auf diesem Weg schei­terten, lässt sich aus heutiger Perspek­tive kaum ermessen. Das Objekt aus einer nieder­säch­si­schen Privat­samm­lung symbo­li­sierte in der letzt­jäh­rigen Jubilä­ums­aus­stel­lung „In Herz und Hand“ den Durch­hal­te­willen der Fürsten­berger Porzel­liner.

Anläss­lich des 275-jährigen Gründungs­ju­bi­läums der Porzel­lan­ma­nu­faktur stellt „Der Löwe – das Portal für das Braun­schwei­gi­sche“ in einer sechs­tei­ligen Reihe heraus­ra­gende Stücke des Museums Schloss Fürsten­berg vor.

Dr. Christian Lechelt ist Leiter des Museums Schloss Fürsten­berg

Kontakt:
Museum Schloss Fürsten­berg
Meinbrexener Straße 2
37699 Fürsten­berg

Telefon: 05271/966778–10
E‑Mail: museum@fuerstenberg-schloss.com
Website: www.fuerstenberg-schloss.com

Öffnungs­zeiten:
Dienstag bis Sonntag sowie an Feier­tagen 10–17 Uhr
Eintritt: 8,50 Euro, ermäßigt: 5,50 Euro

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