Dieser Plus-Artikel ist zuerst erschienen am 30.11.2023 und erreichbar unter: https://www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article240712580/Wie-der-Verkehr-Braunschweig-voellig-veraendert-hat.html
Das neue Buch „Verkehrsknoten Braunschweig“ zeigt die Entwicklung. Autor Christian Ernst erklärt die Meilensteine der Veränderungen.
Lückenschluss! Für viele Städte gibt es bereits ein Buch aus der Reihe „Verkehrsknoten“. Nun ist auch „Verkehrsknoten Braunschweig“ erschienen. Der Braunschweiger Autor Christian Ernst hat zusammengetragen, wie der Verkehr seit dem Jahr 1838 die Stadt und das Leben der Braunschweiger verändert hat.
Dieser Plus-Artikel ist zuerst erschienen am 30.11.2023
Ernst kann aus dem Vollen schöpfen. Er gehört zu den Gründern der Stiftung Eisenbahnarchiv Braunschweig. Rund 100.000 Fotos hat die Stiftung mittlerweile zusammengetragen, die zeigen, wie sich die Mobilität, aber auch Braunschweig selbst verändert hat. 207 Fotos und Abbildungen fanden am Ende Aufnahme in das Buch. Wobei Ernst sagt: „Ein reiner Bildband ist es nicht geworden. Viele der Fotos sind zwar noch nie gezeigt worden. Was bislang fehlte, war jedoch eine Gesamtbetrachtung, die all die Erkenntnisse zusammenführt, die in der Vergangenheit zum Verkehr in Braunschweig gesammelt wurden.“
Ernst musste straffen und sagt: „Das Buch hat zwar 144 Seiten. Es hätte aber auch leicht doppelt so dick werden können. Doch dann hätte sich der Preis von 29,90 Euro nicht mehr halten lassen. Die Buch-Reihe Verkehrsknoten wendet sich an eine ganz breite Leserschaft.“ Die Auflage betrage 1500 Stück. Wobei es von Braunschweig natürlich außerordentlich viel zu berichten gibt. Dafür sorgt allein der Umstand, dass im Jahr 1838 von Braunschweig aus Deutschlands erste Staatseisenbahn Richtung Wolfenbüttel dampfte. Und da ist natürlich auch Heinrich Büssing, der unter Beweis stellte, dass sich Post auch per LKW ausliefern lässt und Büssing-Fahrzeuge aus dem Werk Braunschweig prächtig für den Personen- und Güter-Verkehr taugen.
Wobei Mobilität in Braunschweig zunächst Eisenbahn hieß: Braunschweigische Landes-Eisenbahn-Gesellschaft, Braunschweig-Schöninger Eisenbahn, Hafenbahn, Schmalspurbahnen. Und dann die Pläne für einen neuen Braunschweiger Bahnhof aus dem Jahr 1938. Pläne, die „zum Glück“, so Ernst, nie vollständig umgesetzt wurden: „Braunschweig sollte Drehkreuz zwischen den Stahlwerken Salzgitter und dem Automobilbau in Wolfsburg werden.“ Angedacht sei gewesen: „Die Echobrücke im Kennel, dort liegen heute keine Schienen mehr, sollte doppelt so breit werden. Durch Gliesmarode sollten elf Gleise führen. Gleise sollten auch dort liegen, wo sich heute der Siemens-Parkplatz befindet.“
Die Erwartung sei gewesen: „6000 Waggons täglich werden in Braunschweig verteilt.“ Ernst macht die Dimension so deutlich: „Bei einer Länge von 10 Metern je Waggon ergibt sich eine Gesamtlänge von 60 Kilometern. Hannover liegt 61 Kilometer entfernt.“ Nach dem Krieg sei planerisch abgespeckt worden. „Der Vertrag aus 1938 sorgte allerdings dafür, dass Braunschweig seine Straßenbahn behalten musste. Die Büssing-Werke setzten in den 1950er Jahren alles daran, dass Braunschweig zur Modellstadt wird, wo der ÖPNV ausschließlich per Bus erfolgt.“ Folge sei zum Beispiel gewesen: „Die Straßenbahnlinie A nach Wolfenbüttel wurde eingestellt. Ein riesiger Fehler, wie man heute weiß.“
Der thematische Schwerpunkt von „Verkehrsknoten Braunschweig“ liegt auf den 1950er Jahren bis zum Jahr 1976, als die Dampflock-Ära in Braunschweig endete. Eine ganz spannende Zeit, wie Ernst sagt: „Die Kriegsschäden, aber auch die Planungen für die autogerechte Stadt, änderten Braunschweig wie nie zuvor in seiner Geschichte.“ Im nächsten Jahr plant die Stiftung Eisenbahnarchiv eine Ausstellung zum Thema.
Dieser Plus-Artikel ist zuerst erschienen am 30.11.2023 und erreichbar unter: https://www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article240712580/Wie-der-Verkehr-Braunschweig-voellig-veraendert-hat.html
Sonderausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum bietet erstmals einen breiten Einblick in die umfangreiche Sammlung von Werken des braunschweigischen Landschaftsmalers Pascha Weitsch.
Das Herzog Anton Ulrich-Museum würdigt bis zum 7. April 2024 den braunschweigischen Landschaftsmaler Pascha Johann Friedrich Weitsch mit der Sonderausstellung „Naturtalent – 300 Jahre Pascha Weitsch“. Im Besitz des Museums befindet sich eine der wichtigsten Weitsch-Sammlungen. Gezeigt werden Ölgemälde, Malereien auf Fürstenberger Porzellan und Stobwasser-Lackwaren sowie Zeichnungen. Autodidaktisch hatte sich Weitsch zu einem der bedeutendsten Landschaftsmaler der Aufklärung entwickelt. Berühmt wurde Weitsch wegen seiner herausragenden Naturdarstellungen. Die Sonderausstellung beleuchtet das Leben und die Werke des Künstlers. Zeitgleich schlägt das Museum mit dem Wettbewerb „#WeitschReloaded – Harz. Fotografie. Heute.“ eine Brücke in das Hier und Jetzt.
Pascha J. F. Weitsch, Brocken-Panorama, um 1775, Herzog Anton Ulrich-Museum, Inv.-Nr. GG L6 (Leihgabe der Richard Borek Stiftung). Foto: Herzog Anton Ulrich-Museum, Claus Cordes
Meilensteine in Weitschs Schaffen waren die Ansicht der „Rosstrappe“ (1769) und die „Ansicht des Brockens vom Kleinen Fallstein aus gesehen“ (um 1775), die gemeinsam mit Zeichnungen dieser Motive präsentiert werden. Der zeichnerische Nachlass Weitschs mit mehr als 200 Blättern wird fast vollständig im Kupferstichkabinett des Herzog Anton Ulrich-Museums bewahrt. Die Sonderausstellung bietet im neu gestalteten Raum „Kunst auf Papier“ erstmals einen breiten Einblick in die Sammlung.
Weitsch wurde am 16. Oktober 1723 als Sohn eines Ziegeldeckers im Ort Hessen am Fallstein im Harzvorland geboren. Er wurde zu einem bedeutenden Vertreter des kulturellen Lebens des 18. Jahrhunderts in Braunschweig und darüber hinaus. Weitsch war nicht nur als Künstler, sondern auch als Netzwerker in Braunschweig bekannt und korrespondierte mit dem im Harz geborenen Dichter Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) und Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). 1784 wurde er zum Mitglied der Kunstakademie Düsseldorf ernannt. 1795 folgte die Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste in Berlin.
Nachdem Weitsch zunächst vor allem als Maler in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg arbeitete, verlagerte sich der Schwerpunkt seines Schaffens später immer mehr auf Ölgemälde. Vor allem Ansichten aus dem Harz, aus Braunschweig und Wolfenbüttel sowie Ausblicke auf den Elm und die Asse prägen sein Werk. Pascha Weitsch gilt als künstlerischer Entdecker des Harzes. Im Herzogtum Braunschweig hatte Weitsch als vielseitiger Künstler, Kunsthändler, Zeichenlehrer und Verwalter der Gemäldegalerie in Schloss Salzdahlum eine wichtige Stellung. Weitsch starb am 6. August 1803 in Salzdahlum.
Raumansichten „#WeitschReloaded – Harz. Fotografie. Heute.“ Foto: Herzog Anton Ulrich-Museum, Kathrin Ulrich
Im Vorfeld der Präsentation waren mehrere Gemälde von Pascha Weitsch restauratorisch untersucht worden. Dank neuer digitaler Technologien in den Restaurierungswerkstätten des Herzog Anton Ulrich-Museums wurden überraschende Erkenntnisse gewonnen. Die Ergebnisse sind ebenfalls Teil der Sonderausstellung. Sie zeigen interessante Details zu Veränderungen und Abwandlungen der Bildmotive im Zuge des Schaffensprozesses.
Inspiriert durch die Landschaftsdarstellungen Weitschs hatte das Herzog Anton Ulrich-Museum zudem erstmals zu einem Fotowettbewerb in den sozialen Medien (Instagram) aufgerufen. In der Sonderausstellung „#WeitschReloaded – Harz.Fotografie.Heute.“ werden die von einer Jury ausgewählten Motive analog und in unterschiedlichen Formaten präsentiert. Dicht an dicht an einer langen Wand inszeniert oder großformatig auf Banner gedruckt zeigen sie den zeitgenössischen Blick auf den Harz. Ein Wandkalender richtet den Fokus außerdem täglich auf eine weitere der eingereichten Fotografien und macht deren motivische und künstlerische Vielfalt sichtbar.
Wanderbegeisterte Besucher finden im Herzog Anton Ulrich-Museum während der Laufzeit der Sonderausstellung eine Sonderstempelstelle der Harzer Wandernadel.
Diabas-Steinbruch bei Wolfshagen, Harz, 2022. Foto: Tim Knäblein
Im Fokus einer Führung mit Kuratorin Martina Minning am Sonntag, 10. Dezember um 15 Uhr steht Weitsch als Porzellanmaler. Am Sonntag, den 17. Dezember 2023 um 15 Uhr führt Kuratorin Silke Gatenbröcker durch die Ausstellung und berichtet von Weitsch als Maler. Das gesamte Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Wanderungen, Workshops, Lesungen und einem speziellen Kinderprogramm ist auf der Website des Herzog Anton Ulrich-Museums zu finden.
Kontakt:
Herzog Anton Ulrich-Museum
Museumstraße 1
38100 Braunschweig
Telefon: 0531 12250
E-Mail: info.haum@3landesmuseen.de
Internet: https://3landesmuseen-braunschweig.de/herzog-anton-ulrich-museum
Öffungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 11–18 Uhr
Montags geschlossen
Eintritt:
Erwachsene: 9 Euro
Emäßigt: 7 Euro
Kinder (6–17 Jahre): 2 Euro
Schlossmuseum zeigt kleine Ausstellung zum „Vaterländischen Denkmal“ am Löwenwall.
Der Obelisk am Löwenwall ist neben dem Burglöwen das wohl eindrucksvollste Denkmal Braunschweigs. Das 22 Meter hohe Monument steht genau seit 200 Jahren im Zentrum des Promenadenovals, das im Zuge der Schleifung der Befestigungsanlage auf dem Wallring (von 1803 an) entstand und zunächst Monumentsplatz hieß. Der Obelisk erinnert an den „Schwarzen Herzog“ Friedrich Wilhelm (1771-1815) und seinen Vater Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806). Beide Herzöge waren während der Freiheitskriege gegen Napoleon I. gefallenen. Das „Vaterländisches Denkmal“ wurde 1823 auf Initiative einflussreicher Bürger nach Plänen von Peter Joseph Krahe (1758-1840), Leiter des Bauwesens im Herzogtum Braunschweig, errichtet. Krahe hatte auch die Wallanlagen geplant.
Anlässlich des Jubiläums zeigt das Schlossmuseum im Weißen Saal eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Obelisken. Ausgehend vom repräsentativen Gemälde Herzogs Wilhelm (1806-1884), in dessen Hintergrund der Obelisk zu sehen ist, werden die Geschichte und Hintergründe zu seiner Errichtung anhand von verschiedenen Exponaten erzählen. Wilhelm war der zweite Sohn des „Schwarzen Herzogs“ und Maria von Baden (1782–1808). Gezeigt werden Leihgaben der Richard Borek Stiftung, des Museums Schloss Wolfenbüttel, des Napoleon-Museums Bad Harzburg und privater Leihgeber. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 29.Februar 2024.
Die Idee für ein Denkmal zu Ehren der Herzöge entstand bereits 1815, also im Todesjahr des Herzogs Friedrich Wilhelm. Er starb nur wenige Tage vor der entscheidenden Schlacht in Waterloo am 18. Juni 1815. Der „Schwarze Herzog“ war zwei Tage zuvor am 16. Juni in der Schlacht bei Quatre-Bras im heutigen Belgien gefallen. Die Niederlage der Franzosen beendete Napoleons Herrschaft und führte zum Ende des Französischen Kaiserreichs. Bei Quatre-Bras erinnert ein Denkmal an Herzog Friedrich Wilhelm.
Tod des Schwarzen Herzogs, Friedrich Matthäi, um 1835. Foto: Braunschweigisches Landesmuseum
Sein Vater, der zuvor 1806 als Generalfeldmarschall des preußischen Heeres die Truppen bei Jena und Auerstedt/Hassenhausen im Vierten Koalitionskrieg gegen Napoleon führte, wurde während der Schlacht lebensbedrohlich verwundet. Am 10. November 1806 erlag Carl Wilhelm Ferdinand im damals dänischen Ottensen den Folgen der Verletzung. Zu Ehren des Herzogs Ferdinand und der Gefallenen steht bei Hassenhausen ein Mahnmal. Das Museum in Hassenhausen erinnert mit originalen Fundstücken (darunter der Säbel Carl Wilhelm Ferdinands) an die Schlacht. Die Niederlage Preußens war vernichtend, und bereits am 27. Oktober 1806 besetzte Napoleon Berlin.
„Den Einbruch in das Vaterland, dem Feinde mit seinem Blute wehrend, sank Braunschweigs Welfe Carl Wilhelm Ferdinand, mit ihm seines Volkes Glück“ steht für ihn auf dem Obelisken geschrieben. Für seinen Sohn heißt es: Des Vaterlandes vom Feinde neu bedrohtes Glück, schützend in rettender Schlacht, sank Braunschweigs Welfe Friedrich Wilhelm an seiner Krieger Spitze“. Dazu steht unter anderem: „Ihr Ruhm lebt ewig, dauere mit ihm ihr Stamm dem Vaterland zum Segen.“
Die Inschrift für den „Schwarzen Herzog“. Foto: das medienatelier
Der Obelisk setzt sich aus in Zorge/Harz gegossenen Eisenplatten zusammen. Den Sockel bildet eine dreistufige quadratische, steinerne Plattform, an deren Ecken vier Löwen liegen. Sie wurden nach einem Modell des Bildhauers Johann Gottfried Schadow (1764-1850) gegossen. Das Gebiet Zorge/Wieda galt als das „Ruhrgebiet“ „des Herzogtums Braunschweig“. Dort wurden auch von 1842 an die Dampflokomotiven für die Herzoglich Braunschweigische Staatsbahn gebaut. An die Zeit erinnert das Heimatmuseum Zorge.
Das Denkmal am Löwenwall wurde 1996/97 mit Unterstützung der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Richard Borek Stiftung umfassend restauriert. 2017 wurde, erneut mit Förderung der Richard Borek Stiftung, die goldene Schrift saniert. Die Buchstaben waren durch Rostbefall stark beschädigt. Durch die Sanierung der gesamten Platzanlage, die in diesem Jahr abgeschlossen wurde, hat auch der Obelisk in seiner Wirkung stark profitiert.
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Die herausragenden Kirchen im Braunschweiger Land, Teil 2: Der Westbau von St. Katharinen entstand in einer Zeitspanne von fast 300 Jahren.
So, wie wir die Katharinenkirche am Hagenmarkt heute kennen, sah sie lange Zeit nicht aus, denn das Bruchsteinmauerwerk, größtenteils Rogenstein, war sichtbar. Die Außenwände wurden erst in den 1990er Jahren verputzt und gestrichen. Die Farbfassung unterstreicht seither die Architekturgliederung. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass sie auch im Mittelalter verputzt war. Gefundene Farbreste unter den steinernen Gesimsen könnten daraufhin hindeuten.
Unabhängig von der Gestaltung der Außenhaut, hat die Katharinenkirche eine vor allem in jüngerer Zeit sehr bewegte Vergangenheit. Nach der fast völligen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nach erster Notsicherung der Gewölbe zwischen 1950 und 1960 wieder aufgebaut. In der Bombennacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944 waren beide Türme völlig ausgebrannt.
Die in der Bombennacht vom 14. Auf 15. Oktober 1944 zerstörte Katharinenkirche. Foto: Archiv Heimatpfleger Braunschweig
Und Ende der 1960er Jahre stellte sich heraus, dass am Südturm ein Überhang nach Osten von 85 Zentimetern und am Nordturm ein Überhang nach Ost-Nord-Ost von 75 Zentimetern eingetreten war. „Daher musste der ganze Westbau unterfangen werden. Diese Arbeiten wurden von 1974 bis 1978 unter Einsatz großer finanzieller Mittel und mit erheblichen technischen Schwierigkeiten erfolgreich ausgeführt. Von 1979 bis 1980 musste die durch diese Arbeiten stark in Mitleidenschaft gezogene Kirche erneut restauriert werden. 1987 wurde endlich auch mit der Restaurierung der Außenmauern begonnen, die nicht nur noch zahlreiche Kriegsverletzungen aufwiesen, sondern vor allem auch durch den ‚sauren Regen‘ stark gelitten hatten“, heißt es auf der Internetseite der Kirchengemeinde.
Wann der Baubeginn der Katharinenkirche stattfand, ist nicht eindeutig überliefert. Er dürfte in den Jahren um 1200 gelegen haben, meint Bauhistoriker Elmar Arnhold. Mittelalterliche Chroniken berichteten zwar, Herzog Heinrich der Löwe habe bereits im Jahre 1172 den Grundstein gelegt, aber das wird stark bezweifelt. Wie auch immer ist die Katharinenkirche nach dem Dom und St. Martini die drittälteste große Stadtkirche in Braunschweig. Heinrich der Löwe hatte nicht nur den Burgbezirk zu seiner festen Residenz ausgebaut, sondern auch die neue städtische Siedlung Hagen um 1160 gegründet.
Für die Katharinenkirche gilt, wie auch für St. Martini, dass sie zunächst nach dem Vorbild des Doms angelegt wurde. „Somit entstand in Braunschweig die dritte große, über kreuzförmigen Grundriss errichtete Pfeilerbasilika mit Westbau. Auch hier waren der Hauptchor und die Querarme mit Apsiden ausgestattet. Das System der Einwölbung durch Kreuzganggewölbe mit spitzbogigem Querschnitt und die Gestaltung der Pfeilerarkaden zwischen Mittelschiff und Seitenschiffen entsprach ebenfalls den genannten Vorbildern“, schreibt Bauhistoriker Elmar Arnhold in seinem Standardwerk „Mittelalterliche Metropole Braunschweig“. Das Buch wurde unter anderem von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Richard Borek Stiftung gefördert. Es bildet für die Stadtkirchen die Grundlage unserer Serie.
Langhaus mit Blick nach Osten. Foto: Elmar Arnhold
Der Westbau von St. Katharinen mit seinen beiden schlanken Türmen dokumentiert eine fast 300-jährige Baugeschichte. 1220 begann er, 1511 wurde er mit dem Turmhelm des nördlichen Turms vollendet. Der südliche der beiden unterschiedlich hohen achteckigen Türme erhielt 1379 seine spitze Turmhaube. Die einzelnen Stockwerke des Turmwerkes zeigen in eindrucksvoller Weise den Übergang von der Spätromanik über die Früh- zur ausgeprägten Hochgotik, während die Turmschäfte und -helme bereits in das Spätmittelalter datieren. „Damit präsentiert sich diese Fassade wie ein Lesebuch mittelalterlicher Stilgeschichte“, erläutert Elmar Arnhold.
Von der mittelalterlichen Ausstattung sind außer zwei wertvollen Abendmahlskelchen und einer Madonnenfigur aus Alabaster (um 1450, Stadt. Museum Braunschweig) keine weiteren Kunstwerke erhalten. Die zahlreichen Epitaphe (Totengedenktafeln) sind das Kennzeichnende der seit 1528 evangelischen Pfarrkirche. „Die Epitaphe sind als kunsthistorische und auch stadtgeschichtliche Kostbarkeiten zu betrachten. Dabei sticht besonders das Epitaph für Jürgen von der Schulenburg und seine Gemahlin Lucia von Veltheim heraus. Das als Fassadenarchitektur der Spätrenaissance aufgebaute Monument befand sich ursprünglich am Übergang vom Langhaus zum Chor in einer dem Standort eines Lettners vergleichbaren Position. Es wurde 1789 an die Westwand des Nordseitenschiffs versetzt“, berichtet Bauhistoriker Arnhold.
Ostansicht der Katharinenkirche mit ihren schlanken, achteckigen Türmen. Foto: Elmar Arnhold
Wer sich die Katharinenkirche einmal von Innen ansehen möchte, dem sei das Weihnachtskonzert mit selten aufgeführter, festlich barocker Weihnachtsmusik am 10. Dezember um 16 Uhr empfohlen. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Kontakt:
Pfarramt St. Katharinen
An der Katharinenkirche 4
38100 Braunschweig
Telefon: 0531 44669
E-Mail: katharinen.bs.buero@lk-bs.de
Gemeindepfarrer: werner.busch@lk-bs.de
Website: https://katharinenbraunschweig.de/
Serie über die Braunschweiger Manufaktur Stobwasser, Folge 6: Zweigunternehmen wurde 1773 in Berlin gegründet.
Die Geschichte des Lackwarenunternehmens Stobwasser ist in erster Linie mit dem Namen des innovativen Firmengründers Johann Heinrich Stobwasser (1740-1829) verbunden. Ihm war es gelungen, einen aus Bernstein und verschiedenen Kopalharzen bestehenden, hochwertigen Lack herzustellen, der hitzebeständig und wasserfest war.
Johann Heinrich Stobwasser, der von Jugend an ein hervorragender Zeichner war, legte den Schwerpunkt seiner Arbeit von Beginn an auf eine künstlerisch hochwertige Bemalung seiner Lackartikel. Das waren anfangs in erster Linie Tische, Tabletts, Schmuck-und Tabakskästen, Becher und Pfeifenköpfe, vor allem jedoch die bis heute mit seinem Namen verbundenen, mit feinster Malerei verzierten Schnupftabaksdosen aus gehärtetem Papiermaché oder Weißblech. Vorlagen für die Malerei bezog das Unternehmen aus seiner eigenen, umfangreichen Kunstsammlung, die Gemälde – zumeist Kopien deutscher, italienischer und niederländischer Meister, – Kupferstiche und Lithografien umfasste.
Tabakdose: Ansicht der Klosterstraße in Berlin (1. Hälfte des 19. Jahrhunderts). Foto Richard Borek Stiftung
Sie enthielten Motive jeglicher Gattung, darunter Genreszenen, Bildnisse berühmter Persönlichkeiten, Porträts schöner Frauen, Szenen aus den napoleonischen Kriegen sowie Darstellungen aus der griechischen und römischen Mythologie. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich aber schon damals Phantasielandschaften, Stadtveduten und stimmungsvolle Darstellungen von Eichenwäldern des Braunschweiger Malers Pascha Johann Friedrich Weitsch.
Ein im Jahr 1768 erfolgter Auftrag Friedichs des Großen, für ihn eine Kutsche zu lackieren, kam so gut an, dass der Preußenkönig ihn einlud, den Sitz der Manufaktur nach Berlin zu verlegen. Stobwasser hielt jedoch aus Treue zu Braunschweig und zu Herzog Karl I. am alten Standort fest und verlegte sich auf die Gründung eines Zweigunternehmens in Berlin, das er 1773 ins Leben rief und der Leitung seines kreativsten Mitarbeiters Jean Guérin anvertraute.
Der Franzose Guérin hatte in Paris bei den Brüdern Martin das Lackierhandwerk gelernt und 1767 Stobwassers Schwester Luise geheiratet. Nicht weniger geschäftstüchtig als sein Schwiegervater, war auch Guérin bald so erfolgreich, dass der preußische Magistrat ihm schon bald den Titel „Zweiter Hoflackierer Preußens“ verlieh. Erster Hoflackierer Preußens war zu dieser Zeit Sebastian Chevalier. Auch ein Franzose, arbeitete jedoch im Stil des Rokokos war daher für Stobwassers Compagnon sicherlich kein Konkurrent gewesen.
Nach längerer Erkrankung und Guèrins Tod hatte Johann Heinrich Stobwasser 1794 neben der Braunschweiger Fabrik nun auch noch die Berliner Filiale übernommen und erfolgreich fortgeführt. Guérins Erkrankung und sein vorzeitiger Tod veranlassten Johann Heinrich Stobwasser, von 1794 neben der Braunschweiger Fabrik auch noch die Leitung der Berliner Filiale zu übernehmen. Höchster technischer und künstlerischer Standard sowie eine fortschrittliche soziale Personalpolitik mit Gründung einer Betriebskrankenkasse ließen unter ihm das Berliner Unternehmen zu einem der führenden Kunsthandwerksbetriebe Deutschlands aufsteigen. Die Betriebsstätte befand sich in der Wilhelmstraße Nr. 98, das Verkaufsgeschäft am Prachtboulevard Unter den Linden Nr. 31. Kurz nach der Jahrhundertwende beschäftigte die Firma neben 30 Malern noch 40 weitere Mitarbeiter.
Schon 1810 hatte Johann Heinrich die Geschäfte in Braunschweig und Berlin seinem Sohn Christian Heinrich (1780 – 1848) übertragen, der ursprünglich Theologie studiert hatte, dieses Studium jedoch abbrach, um nach einer Fortbildung in England die Lackwerkstätten des Vaters zu übernehmen. Auch unter seiner Leitung vergrößerten sich die Unternehmen. Das Warenspektrum der Berliner Fabrik blieb anfangs weitgehend unverändert. Es reichte von allen möglichen bürgerlichen Gebrauchsgegenständen bis hin zu höfischen Pretiosen und ausgefallenen Möbelstücken. So hatte sich beispielsweise die preußische Königin Luise bei Stobwasser einen mehrteiligen, beidseitig bemalten Paravent bestellt, und von Kurprinz Wilhelm II. von Hessen-Kassel ging für König Jérôme der Auftrag für einen außergewöhnlichen, 3000 Taler teuren Kaminschirm für den Kasseler Ballsaal ein.
Die Vielfalt und Qualität der Produktion spiegelte sich auch in einer differenzierten Preisgestaltung wider. Je nach Feinheit der Malerei bot man zum Beispiel im Stobwasserschen Verkaufsgeschäft Unter den Linden runde Stobwasserdosen zu Preisen von bis zu 12 Talern an. In ihren besten Jahren umfasste die Produktpalette des Berliner Unternehmens über 80 Positionen und allein im künstlerischen Bereich beschäftigte die Firma über 50 Maler, unter denen sich so bedeutende Namen wie Karl Friedrich Schinkel, Heinrich Stürmer, Ludwig Catel und Friedrich Georg Weitsch befanden. Einer Empfehlung des Berliner Akademiedirektors Johann Gottfried Schadow folgend, hatte die Preußische Regierung Christian Heinrich im Jahr 1830 aufgrund seiner künstlerischen Verdienste den Titel „Akademischer Künstler“ verliehen.
Unter solchen Vorgaben konnte sich Christian Heinrich in der Berliner Gesellschaft zu einem künstlerisch engagierten Geschäftsmann entwickeln. Zwei Jahre nach seiner Auszeichnung verkaufte Stobwasser das Braunschweiger Unternehmen an seine beiden langjährigen Geschäftsführer August Wilhelm Meyer und Carl Friedrich Wried, die diese Firma am angestammten Ort bis 1856 auf hohem Niveau erfolgreich weiterführten.
Da sich schon seit Ende des 18. Jahrhunderts die Entwicklung und Herstellung von Lampen als aufstrebender Industriezweig abgezeichnet hatte, sah Stobwasser sich veranlasst, neben seiner Lackwarenproduktion auch Astral- und Kranzlampen sowie Lampenfüße und Bronzeartikel nach eigenen Entwürfen in sein Warenangebot aufzunehmen. So firmierte man seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts unter folgender Adresse: „C. H. STOBWASSER & Co – FABRIK von Lampen, Lackirten u. Metall-Waaren. BERLIN. Wilhelm – Strasse No 98. Darunter jeweils die Devise: Labor improbus omnia vincit., sowie: Gegründet in Braunschweig 1763. Nach Berlin verpflanzt 1773“. Seine Warenlager befanden sich damals Unter den Linden Nr. 33 sowie in der Königs-Strasse 57a, ein weiteres mit der Adresse „Muster-Lager, Kochs-Hof am Markt No 33.“ in Leipzig.
Als Anerkennung für seine Verdienste hatte die Preußische Regierung Christian Heinrich Stobwasser 1844 mit dem Roten Adler-Orden 3. Klasse ausgezeichnet. Zudem errang die Fabrik mit ihren Lack-und Bronzearbeiten auf den großen Welt-, Kunst- und Gewerbeausstellungen, wie beispielsweise in Berlin, London, und Paris Goldene und Silberne Medaillen sowie weitere bedeutende Preise.
Nach dem Ableben Christian Heinrich Stobwassers im Jahr 1848 führte sein ehrgeiziger Sohn Gustav Arnold das Unternehmen, das schon bald in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, in Berlin fort. Der neue Firmenchef, der in seiner Jugend selbst künstlerische Ambitionen gezeigt hatte, war bereits seit 1845 als bevollmächtigter Teilhaber der Fabrik eingeschrieben. Unter seiner Leitung eroberte sich das Unternehmen erneut einen ersten Platz innerhalb seines Geschäftsbereiches, von nun an unter der Adresse: „Berliner Lampen-& Bronzewaaren-Fabrik, vorm. C. H. Stobwasser & Co. Actien- Gesellschaft“.
In welchem Ausmaß sich die Firma unter Gustavs Leitung vergrößerte, erfährt man aus dem Katalog der Pariser Industrieausstellung vom Jahr 1867. Demnach war das Betriebspersonal des Stobwasserschen Unternehmens auf etwa 500 Mitarbeiter angewachsen. Den Glanzpunkt seiner Geschichte erreichte es am 23. August 1863, dem 100. Jahrestag der Firmengründung. Anlässlich dieses Jubiläums wurden der Fabrik von höchster Stelle nochmals zahlreiche Auszeichnungen verliehen. Da sich die Quellen zur Spätzeit der Fabrikationsstätte verlieren, lässt sich gerade noch das ungefähre Todesdatum Gustavs ermitteln. Es soll dies das Jahr 1898 gewesen sein.
Detlev Richter sammelt seit Mitte der 1970er Jahre, gilt als der Stobwasser-Experte schlechthin und erarbeitete das von der Richard Borek Stiftung in Auftrag gegebene und im Internet frei zugängliche Stobwasser-Werkverzeichnis: http://www.werkverzeichnis-stobwasser.de/
Dieter Brinkmann betreut die Pilgerherberge in der Lehndorfer Pfarrscheune. Dort kümmert er sich ums Wohlergehen der Pilger und bietet Informationen.
Für eine mehrtägige Pilgertour braucht man nicht nur gute Schuhe, Proviant und genaue Karten, sondern auch eine Dusche, einen Platz zum Essen und ein warmes Bett für die Nacht. Und man braucht jemanden, der sich um eine derartige Pilgerherberge kümmert. In Alt-Lehndorf hat Dieter Brinkmann diese Aufgabe übernommen. Der 80-Jährige ist Pilgerbeauftragter für den Braunschweiger Jakobsweg und sorgt für Ordnung in der Pilgerherberge der „Katharina von Bora Gemeinde“.
Dieser Artikel ist zuerst erschienen am 20.10.2023
Erreichbar ist er fast immer, per Mail, Telefon oder WhatsApp. Er empfängt die Menschen, händigt den Schlüssel für die Herberge aus, auf Wunsch informiert er über die historische Kreuzkirche in Alt-Lehndorf und bei Bedarf erledigt er auch noch kleine Reparaturen.
Die Unterkunft für die Gäste befindet sich im Obergeschoss der Pfarrscheune, hier haben früher Jugendliche ihre Partys gefeiert. Ein Klappbett und eine Doppelluftmatratze müssen den Pilgern für eine Nacht reichen, es gibt Dusche und Toilette, eine Kochecke und einen Aufenthaltsraum mit großem Tisch. Einfach und sauber. Die Gäste übernachten in Alt-Lehndorf umsonst, wer mag, gibt eine Spende. Den Stempel für den Pilgerpass bekommt dagegen jeder.
Dieter Brinkmann hat Spaß an seiner Aufgabe, er unterhält sich gern mit Pilgern und trifft immer wieder interessante Menschen, mit denen er gern in Kontakt bleibt. Manche schicken ihm später Fotos und Grüße von ihrer Pilgertour. Vor kurzem hat er eine Nachricht von einer Frau aus dem irischen Belfast bekommen, die vor Monaten in Alt-Lehndorf Station gemacht hat und bis Spanien gegangen ist: „Noch 120 Kilometer bis Santiago de Compostela.“
Derart lange Touren sind allerdings die Ausnahme, die meisten, die in Alt-Lehndorf übernachten, sind nur ein paar Tage unterwegs. Ihre Ziele liegen in der Nähe: Hildesheim im Westen oder Veltheim im Osten.
Andere kommen nur für ein paar Stunden nach Alt-Lehndorf, sie feiern eine gemeinsame Andacht und Brinkmann erzählt die Geschichte der Kreuzkirche. „Das ist mein Hobby, das macht mir Spaß“, sagt der gebürtige Hesse, der seit mehr als 50 Jahren in Lehndorf wohnt und sich intensiv mit dem Gotteshaus aus dem Jahr 1245 beschäftigt hat. Er kennt dessen Geschichte aus dem Effeff und hat auch eine kleine Abhandlung über die Kirche geschrieben.
Darüber hinaus war er 30 Jahre lang Mitglied des Kirchenvorstands, singt im dortigen Gospelchor und bei Bedarf vertritt er den Küster. Außerdem sorgt Dieter Brinkmann dafür, dass die Türen der Kreuzkirche von April bis Oktober tagsüber verlässlich geöffnet sind. Obwohl es mittlerweile sehr herbstlich ist, erwartet er weitere Gäste: „Ich freue mich über jeden und hoffe, dass noch Pilger kommen.“
Dieser Artikel ist zuerst erschienen am 20.10.2023 und erreichbar unter: https://www.braunschweiger-zeitung.de/braunschweig/article239844505/Pilger-sind-in-der-Herberge-in-Braunschweig-stets-willkommen.html
„Junge Menschen treffen Klassik“: 10- bis 11-jährige Schülerinnen und Schüler der Grund- und Hauptschule Pestalozzistraße waren zu Besuch beim Meisterkonzert.
Keines der Kinder hatte jemals zuvor ein klassisches Konzert besucht. Dementsprechend überwältigend waren die Eindrücke, die die 10- bis 11-jährigen Jungen und Mädchen beim Meisterkonzert des Sinfonieorchesters des Norddeutschen Rundfunks und des weltberühmten Pianisten Kit Armstrong sammeln konnten. Die 23 Schülerinnen und Schüler der Grund- und Hauptschule Pestalozzistraße waren die ersten, die an dem neuen Projekt „Junge Menschen treffen Klassik“ der Richard Borek Stiftung teilnehmen konnten.
Kit Armstrong am Flügel und das Sinfonieorchester des NDR im Staatstheater. Foto: Meisterkonzerte/Sören L. Schirmer
Ziel der Initiative ist es, junge Menschen an klassische Musik heranzuführen. „Als die Anfrage der Richard Borek Stiftung kam, haben wir sofort begeistert zugesagt. Wir freuen uns sehr über die Initiative, weil wir mit dem Besuch des Konzerts den Horizont der Kinder erweitern konnten“, sagt Schulleiter Till Rückriem. Der Besuch eines so hochklassigen Konzerts wäre natürlich aus dem Schulbudget nicht zu leisten und ist so nur durch die Förderung der Stiftung möglich. Nach der Premiere folgt am 19. Dezember (20 Uhr) die Fortsetzung des Projekts. Dann sind Jugendliche der Internationalen Schule zu Gast bei German Brass mit dem Programm „Christmas around the world“. German Brass ist ein professionelles Blechbläserensemble und ist das dritte Meisterkonzert dieser Saison.
„Es war ein Experiment, und es ist wirklich gut gelungen“, urteilt Lydia Daniel von der Braunschweiger Konzertdirektion, die die Meisterkonzerte veranstaltet. Sie hat auch die Organisation der Schülerbesuche übernommen. An ihrer Seite steht Georg Renz, viele Jahre Solo-Fagottist des Braunschweiger Staatsorchesters. Er hält den Kontakt zu den Schulen und vor allem begleitet er die Besuche mit einer kurzen Einführung vor dem Konzert und einer Nachbereitung in der Schule. Er schaffte es mit seiner unkomplizierten, sympathischen Art, den Kindern das erforderliche Verhalten während des Konzerts sowie im Nachgang auch die verschiedenen Instrumente sowie Vorgänge kindgerecht zu vermitteln.
Voll des Lobes für ihre Schülerinnen und Schüler waren die Klassenlehrerinnen Chiara Sachwitz und Julia Hübner sowie Förderschullehrerin Maren Tettenborn: „Die Kinder haben sich toll verhalten und waren aufmerksam bei der Sache. Immerhin dauerte die erste Hälfte des Konzerts so lange wie eine Schulstunde.“ Und da sitzen die Kinder bestimmt nicht so akkurat auf ihren Plätzen wie im Staatstheater. Von vornherein war klar, dass die Kinder in der Pause das Konzert verließen. Auch bei der Nachbereitung zwei Tage später zeigten sich die Schülerinnen und Schüler interessiert, teilten ihre Beobachtungen mit und stellten Fragen, die Georg Renz kompetent und verständlich beantwortete.
Einführung im Foyer des Staatstheaters. Foto: Der Löwe
Beispielsweise hatten die Kinder bemerkt, dass der Pianist ohne Noten spielte, die Orchestermitglieder aber sehr wohl welche hatten. Georg Renz erklärte, dass die verschiedenen Musiker eines Orchesters anhand der Noten genau ihre Einsätze verfolgen müssen, um das Zusammenspiel perfekt zu schaffen. Und er berichtete, dass ihm ein bekannter Pianist einmal verraten habe, dass er 45 Stücke aus dem Kopf spielen könne.
Gewundert haben sich die Schülerinnen und Schüler beispielsweise über den Dirigenten. „Warum springt der so rum“, war die Frage. Er gibt einerseits den Takt vor und drückt andererseits mit seinem Körper auch die Emotionen aus, die die Musik vermitteln soll, lautete die Antwort. Und Georg Renz wusste unterhaltsam und lehrreich zugleich über Instrumente zu berichten, die den Kindern nicht geläufig waren wie Harfe, Tuba, Posaune oder Pauke. „Es hat Spaß gemacht“, zog er ein zufriedenes Fazit. Mit so viel Aufmerksamkeit hatte Georg Renz nicht gerechnet als er für das Projekt angefragt wurde.
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Die Meisterkonzerte besitzen in Braunschweig eine lange Geschichte. Kurz nach Ende des Krieges ereilte Walter Ernst Schmidt der Ruf in die Stadt, wo er am stark beschädigten Staatstheater die Leitung des künstlerischen Betriebsbüros übernahm. Zusätzlich begann er mit der Organisation von Sinfoniekonzerten und gründete 1946 die Braunschweiger Konzertdirektion Walter E. Schmidt. Die ersten „Meisterkonzerte für Werktätige“ fanden 1947 im Gloria-Kino in der Wendenstraße statt. Es folgten Konzerte in der Villa „Salve Hospes“, in der Aula der Neuen Oberschule und schließlich seit 1965 in der Stadthalle. Während der Renovierungsphase der Stadthalle sind die Meisterkonzerte allerdings im Staatstheater zu Gast.
Mehr unter: https://www.meisterkonzerte-braunschweig.de
Der frühere Pfarrer der Klosterkirche, Joachim Hempel, verbindet in seinem Impulsvortag anlässlich des 3. Riddagshäuser Braunkohlessens Geschichte und Gegenwart des heutigen Naturschutzgebiets.
Anlässlich des 3. Riddagshäuser Braunkohlessens im Landgasthaus „Grüner Jäger“ hielt der ehemalige Domprediger und Pfarrer an der Klosterkirche (1976 – 1987), Joachim Hempel, den Impulsvortrag „Riddagshausen – Ort der fröhlichen Büßer. Anmerkungen aus Geschichte und Gegenwart, den der „Löwe – das Portal für das Braunschweigische“ hier im Wortlaut veröffentlicht:
Verschwundene Kostbarkeiten, Teil 21: Der Querschnitt der Straße Hagenbrücke wurde in den 1970er Jahren für den Verkehr mehr als verdreifacht.
Hagenbrücke und St. Katharinen, Blick von der Kemenate Hagenbrücke. Foto: E. Arnhold
Der Blick durch die Hagenbrücke auf den elegant aufstrebenden Westbau von St. Katharinen gehörte zu den eindringlichsten Stadtbildern im alten Braunschweig. Und ein solches Motiv existierte hier vor den verheerenden Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges gleich zweifach: Weberstraße und Andreaskirche in der Neustadt bildeten ein ebenso imposantes Ensemble. Diese einzigartigen Zeugnisse mittelalterlichen Städtebaus wurden nach ihrer Vernichtung durch einen geradezu erschütternd belanglosen Wiederaufbau völlig entwertet.
Die Hagenbrücke ist in den 1970er Jahren im so genannten Kerntangentenviereck zur Erschließung der Innenstadt für den Individualverkehr aufgegangen. Damit wurde ihr Querschnitt – genauso wie derjenige von Küchen- und Lange Straße – mehr als verdreifacht. Der 1311 erstmals als „upper Hagenbrugke“ erwähnte Straßenzug zwischen Hagenmarkt und Neustadtrathaus war jedoch von Beginn an bedeutend für den innerstädtischen Verkehr: Er war die wichtigste Verbindung der Weichbilde Hagen und Neustadt. Obwohl sie über den inzwischen verrohrten innerstädtischen Okerlauf führte, der hier übrigens die Weichbildgrenze zwischen Hagen und Neustadt markierte, lassen auch die ältesten Abbildungen dieser Straße keine Brücke erkennen.
Seit dem Spätmittelalter sind beide Seiten der Hagenbrücke auch über den Fluss hinweg mit geschlossener Bebauung versehen. Es handelte sich daher um eine bebaute Brücke. Im Prinzip vergleichbar mit der berühmten Krämerbrücke in Erfurt, aber eben nur mit einem Brückenbogen. In Wolfenbüttel ist eine gleichartige Situation im Bereich der Krambuden erhalten („Klein-Venedig“).
Hagenbrücke 22, vor 1893. Foto: Nieders. Landesamt f. Denkmalpflege
Die enge und kleinteilige Bebauung der Hagenbrücke bestand bis zum Abbruch des Eckhauses zur Straße Höhe im Jahr 1893 fast ausschließlich aus Fachwerkbauten des 15. und 16. Jahrhunderts. Stattlichstes Haus war Hagenbrücke 2 mit zwei kräftig auskragenden Stockwerken (ursprünglich Speichergeschosse) und steinernen Brandgiebeln. Die Brandmauern des um 1500 entstandenen Hauses bildeten mit ihren Stufengiebeln ein Unikat im spätgotischen Hausbau der Stadt. Die aus Backsteinen gemauerten Giebel kragten über aufwendig gestalteten Konsolen mit den Stockwerken entsprechend vor.
Hinter den Häusern Hagenbrücke 1, 2 und 4 standen Kemenaten. Von diesen mittelalterlichen Steinbauten ist lediglich die heutige Kemenate Hagenbrücke, als einziges historisches Bauwerk der Straße erhalten geblieben. Vor der Zerstörung waren die Kemenaten für den Passanten nicht sichtbar – sie befanden sich an den Rückseiten der Vorderhäuser in den zuletzt dicht bebauten Höfen. Der Standort der 2015 sanierten und baulich erweiterten Kemenate Hagenbrücke lag hinter einem kleinen und zuletzt verputzten Fachwerkhaus Nr. 4 aus dem 15. Jahrhundert.
Hagenbrücke mit St. Katharinen vor 1893. Foto: aus Braunschweigs Baudenkmäler 1893
Weitere bemerkenswerte alte Bürgerhäuser waren an der südlichen Straßenseite zu bestaunen. Die reichsten Schnitzereien zierten das schmale Haus Hagenbrücke 12. Die beiden einstigen Speicherstöcke des inschriftlich mit 1523 datierten Fachwerkhauses zeigten gotisches Maßwerk und einen Laubgewindestab. Zu den größeren Häusern gehörte Nr. 15, dessen Baujahr ebenfalls inschriftlich mit 1483 angegeben war. Es gehörte zu der überaus umfangreichen Gruppe spätmittelalterlicher Holzbauten mit Treppenfriesen. Solche Treppenfriese finden sich auf den Schwellbalken der Stockwerke und tragen mit Knaggen und Balkenköpfen zur überaus plastischen Wirkung der vorkragenden Hausfronten bei. Erhaltene Beispiele sind die Stiftsherrenhäuser an der Kleinen Burg oder das Haus Ritter St. Georg in der Alten Knochenhauerstraße.
Eine besonders eindrucksvolle Häusergruppe befand sich bis zum 1893 erfolgten Abbruch dem Neustadtrathaus gegenüber an der Ecke zur Höhe. Das mit 1509 datierte Eckhaus Hagenbrücke 22 war wiederum mit einem Treppenfries verziert. Fragmente der Schwellbalken mit Inschrift wurden beim Abbruch geborgen und befinden sich im Städtischen Museum Braunschweig. Die Inschrift lautet: „Anno d(omi)ni m° ccc°cc vnn ix / santi vrba(n)i we ka(n) midat alle man tho wille(n) sy“ (Wer kann, der sage mir, wie man es allen Menschen recht machen kann). Überragt wurde das Haus Nr. 22 von seinem östlichen Nachbarn mit seinen beiden ganz schlichten und weit auskragenden Speichergeschossen. Es war vermutlich das älteste Fachwerkgebäude der Hagenbrücke. Konstruktion und Gestaltung deuteten hier auf eine Bauzeit in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Betrachtet man die Gesamtansichten des alten Straßenzuges, so erwecken die Dachaufbauten (Zwerchhäuser) den Eindruck von Giebelhäusern. Es handelte sich jedoch durchweg um traufständige Häuser, deren Dachseiten der Straße zugewandt waren. Ein Gang durch das Magniviertel lässt diese für das alte Braunschweig prägende Bauweise noch heute erkennen. Die Zwerchhäuser wurden im 18. und 19. Jahrhundert auf den älteren Häusern zumeist mit der Absicht errichtet, Wohnraum zu gewinnen. Damals sind auch die ursprünglichen Speichergeschosse vielfach zu Wohnzwecken umgebaut worden. Die Lagerräume verlegten Handwerker und Kaufleute nun häufig in die Hinterhöfe, wo sich die Bebauung verdichtete. So spiegeln die alten Häuser neben Architektur- und Kunstgeschichte auch den Alltag der Menschen und den Wandel des Wohnens und Arbeitens in früheren Jahrhunderten wider. Diese historische Tiefe ist durch die Zerstörungen durch den Krieg und seine Folgen unwiederbringlich verloren gegangen.
Elmar Arnhold ist Bauhistoriker (Gebautes Erbe) und Stadtteilheimatpfleger. Auf Instagram @elmararnhold veröffentlicht er regemäßig Beiträge zu historischen Bauten in Braunschweig.
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Die TU Braunschweig baut mit Partnern ein Zentrum auf, um für bessere Arbeitsbedingungen im Recycling zu sorgen.
Kreislaufwirtschaft ist ein Hebel, um das Ziel der Klimaneutralität und Nachhaltigkeit zu erreichen. Die Stichworte lauten: weniger Müll, mehr Wiederverwertung. Bei dem Ziel, die Kreislaufwirtschaft zu stärken, gehe es nicht nur um technische Fragen, sondern auch um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, erläutert Professorin Simone Kauffeld von der TU Braunschweig. Die Expertin für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie ist verantwortlich für das vom Bund geförderte Projekt „Kreis“. Dessen Aufgabe ist, ein regionales Zentrum für die Arbeitsgestaltung in der Kreislaufwirtschaft aufzubauen.
Dieser Plus-Artikel ist zuerst erschienen am 2.11.2023
Nach Angaben Kauffelds sind 42 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft in das Projekt unter Leitung der TU Braunschweig eingebunden. Darunter sind neben der TU das zu ihr gehörende Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik, die TU Clausthal, die Ostfalia Hochschule, das Soziologische Forschungszentrum Göttingen, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Salzgitter AG, das Harzer Recycling-Netzwerk Rewimet, Arbeitgeberverbände, der Deutsche Gewerkschaftsbund und die IG Metall. Gefördert werde das Projekt über einen Zeitraum von fünf Jahren mit 10 Millionen Euro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Verfolgt werden in dem Projekt zwei Ansätze, die miteinander verzahnt werden sollen, um die Kreislaufwirtschaft besser zu verstehen und zu gestalten. So stehen auf der technischen Seite Lieferketten, Produktion und Recycling im Fokus. Dabei geht es nach Angaben Kauffelds zum Beispiel darum, ein Produkt von vornherein so zu konstruieren und zu gestalten, dass es am Ende seines Lebenszyklus‘ ohne großen Aufwand zerlegt und wiederverwertet werden kann.
Der zweite Ansatz sind die Arbeitsbedingungen in der Recyclingwirtschaft. Kauffeld spricht von gefährlichen und körperlich beanspruchenden Tätigkeiten, wenn es etwa um das Trennen von Materialien gehe. Diese Tätigkeiten würden oft von ungelernten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen. In diesen Fällen könnten Roboter Abhilfe schaffen.
Doch sei es damit nicht getan. Um die Roboter bedienen zu können, müssten die ungelernten Beschäftigten qualifiziert werden. Ohnehin gehe es in der Forschungsarbeit des Kreis-Zentrums um das Entstehen neuer Berufsbilder und die Möglichkeit der Qualifikation. „Noch fehlen in der Recyclingwirtschaft Berufsbilder“, sagt Kauffeld.
Diese neuen Berufsbilder könnten dazu beitragen, das Image der Branche als Arbeitgeber zu verbessern und damit attraktiver zu werden. Denn die Bedeutung des Recyclings werde vor dem Hintergrund der Diskussion um Klimaneutralität und Nachhaltigkeit zunehmen. Und damit werde auch der Bedarf an Fachkräften steigen. Kauffelds Anspruch für das Kreis-Projekt: „Wir wollen das Zentrum für menschengerechte Kreislaufwirtschaft werden.“
Dieser Plus-Artikel ist zuerst erschienen am 2.11.2023 und erreichbar unter: https://www.braunschweiger-zeitung.de/wirtschaft/article239934644/Bessere-Jobs-und-neue-Berufe-in-der-Recyclingwirtschaft.html
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